Erste Tagung der österreichischen Polonist*innen

18.11.2025

BERICHT

Bericht über die erste Tagung der österreichischen Polonist:innen

Universität Wien, Institut für Slawistik, 12.–13. November 2025

Vom 12. bis 13. November 2025 fand am Institut für Slawistik der Universität Wien die erste Tagung der österreichischen Polonist:innen statt. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Polnischen Botschaft in Wien, dem Institut für Slawistik der Universität Wien sowie dem Integrativen Bildungs- und Kulturverein Bilinguales Wien organisiert. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Ass.-Prof. Mag. Dr. Jolanta Doschek und Dr. Natalie Kosch, M.A.

Die Eröffnung der Tagung erfolgte in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste. Unter ihnen befanden sich Seine Exzellenz, der polnische Botschafter Zenon Kosiniak-Kamysz, der Vizedekan für Lehre der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. Emmerich Kelih, sowie der Studienprogrammleiter des Instituts für Slawistik, Assoz. Prof. Dr. Roman Krivko, so wie die Direktor:innen der Polnischen Schulen aus Wien.

Der Botschafter würdigte in seiner Ansprache die Bedeutung der Polonistik für die Förderung des kulturellen Dialogs zwischen Polen und Österreich und zeigte großes Interesse an den inhaltlichen Herausforderungen, mit denen sich die österreichische Polonistik gegenwärtig konfrontiert sieht. Zugleich versprach er eine kontinuierliche Unterstützung der Polnischen Botschaft für künftige polonistische Projekte auf den Gebieten der polnischen Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft. Grußworte übermittelten Univ.-Prof. Dr. Piotr Szlanta, Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) in Wien, sowie der Institutsvorstand der Slawistik Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Michael Newerkla, der gerade an diesem Tag die Medaille des Ministers für auswärtige Angelegenheiten der Tschechischen Republik für Verdienste um die Diplomatie in der erhielt.

Die Tagung stieß auf großes Interesse innerhalb der österreichischen und internationalen Polonistik und vereinte Wissenschaftler:innen, Lehrende, Studierende und Vertreter:innen aus dem Bildungs- und Kultursektor. Besonders stark war die Beteiligung des österreichischen Universitätsumfelds, das mit einer Vielzahl an Beiträgen und Institutionen vertreten war. Grußworte erreichten die Organisatorinnen von der Universität Salzburg, die Universität Graz wurde durch Dr. Maria Katarzyna Prenner repräsentiert, und die Universität Wien war mit Priv.-Doz. Dr. Przemysław Chojnowski, Ass.-Prof. Mag. Dr. Jolanta Doschek und Dr. Natalie Kosch, MA, vertreten. Darüber hinaus nahmen auch Studierende der Polonistik vom Institut der Slawistik an der Universität Wien aktiv an den Vorträgen und Diskussionen teil, was die enge Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses in die österreichische Polonistik verdeutlichte.

Auch Gastwissenschaftler:innen aus renomierten polnischen Uniwersitäten aus den bereichen Polnisch als Fremdsprache trugen wesentlich zum wissenschaftlichen Profil der Tagung bei. Dr. Paulina Kaźmierczak von der Universität Łódź präsentierte neue Perspektiven zum Einsatz moderner Technologien und aktueller Lehrwerke im Polnischunterricht. Dr. Paulina Potasińska vom Zentrum für Polnische Sprache und Kultur „Polonicum“ der Universität Warschau (Centrum Języka Polskiego i Kultury Polskiej dla Cudzoziemców „Polonicum“) stellte die Möglichkeiten der Zertifizierung im Polnischen vor und beleuchtete institutionelle Entwicklungen der polonistischen Ausbildung in Polen. Herr Grzegorz Oleksey thematisierte die Grenzen der Künstlichen Intelligenz im Kontext wissenschaftlichen Denkens und eröffnete neue Perspektiven für die weitere Reflexion.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Beiträge standen aktuelle Entwicklungen der Polonistik in Forschung, Lehre und Kulturvermittlung. Priv.-Doz. Dr. Przemysław Chojnowski stellte die Aktivitäten des Kompetenz- und Koordinationszentrums Polnisch (KoKoPol) vor. Dr. Natalie Kosch, M.A., widmete ihren Vortrag der dreißigjährigen Geschichte des Polnisch-Österreichischen Sommerkollegs sowie der Entwicklung und den demografischen Tendenzen der polnischen Diaspora in Österreich. Ass.-Prof. Mag. Dr. Jolanta Doschek reflektierte in ihrem Beitrag über ihre zwanzigjährige Erfahrung in der Bedeutung des Polnischlernens im Kontext der Literaturvermittlung und über den Wandel didaktischer Perspektiven in diesem Zeitraum.

Die Tagung bot darüber hinaus Gelegenheit zu intensiven Gesprächen über künftige gemeinsame Forschungsinitiativen und Möglichkeiten einer engeren Vernetzung zwischen den österreichischen und polnischen Universitäten. In den Diskussionen wurde deutlich, wie groß das Potenzial für interuniversitäre Kooperationen im Bereich der Polonistik ist, insbesondere in den Bereichen Sprachdidaktik, Kulturtransfer und Mehrsprachigkeitsforschung.

Im Konferenzteil der Veranstaltung nahmen neben Vertreter:innen der Universitäten auch Lehrkräfte aus dem österreichischen Schulwesen, den Volkshochschulen sowie den polnischen Schulen in Österreich teil. Vertreten waren die Polnische Schule „Jan III. Sobieski“ in Wien (Szkoła Polska im. Jana III Sobieskiego w Wiedniu), die „Pierwsza Społeczna Szkoła Polska w Austrii“ (Erste Private Polnische Schule in Österreich) in Wien sowie die Polnische Schule „Ignacy Jan Paderewski“ in Salzburg (Szkoła Polska im. I. J. Paderewskiego w Salzburgu). Diese breite Beteiligung unterstrich die Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz des Polnischunterrichts in Österreich.

Die Veranstaltung wurde durch Buch- und Materialspenden renommierter Institutionen und Verlage unterstützt. Der Verlag Glossa stellte den Teilnehmenden kostenfreie Online-Lehrwerke zur Verfügung, der Verlag PROLOG sandte aktuelle Lehrwerke für den Polnischunterricht, und das Polnische Institut Wien überreichte Buchspenden für Studierende. Diese Kooperationen betonten die enge Verbindung von Wissenschaft, Praxis und Kulturvermittlung.

Die Tagung verdeutlichte eindrucksvoll die Lebendigkeit und das Innovationspotenzial der österreichischen Polonistik. Sie machte zugleich die aktuellen Herausforderungen des Faches sichtbar, darunter sinkende Studierendenzahlen in philologischen Studienrichtungen, die begrenzte Zahl an Lehrstellen für Polnisch und der Bedarf an stärker innovativ ausgerichteten Lehrmethoden. Die Diskussionen zeigten jedoch, dass die österreichische Polonistik über ein hohes Maß an fachlicher Expertise, Engagement und institutioneller Vernetzung verfügt.

Insgesamt stellte die Tagung einen bedeutenden Schritt zur Stärkung der Polonistik in Österreich dar. Sie förderte nicht nur die wissenschaftliche und pädagogische Zusammenarbeit zwischen den Universitäten, sondern trug auch dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung der polnischen Sprache und Kultur in der österreichischen Bildungslandschaft zu vertiefen. Die Organisatorinnen betonten ihre Dankbarkeit gegenüber allen Mitwirkenden und Partnerinstitutionen und äußerten die Hoffnung, dass diese Initiative nachhaltige Impulse für die weitere Entwicklung der Polonistik in Österreich geben wird.

 

Verfasst von:                                                                                                                                        

Ass.-Prof. Mag. Dr. Jolanta Doschek
Dr. Natalie Kosch, MA 

Wien, November 2025