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20 Jahre Campus: Das Institut für Slawistik widmete sich der „Faszination östliches Europa“

Montag, 1. Oktober 2018 bis Samstag, 6. Oktober 2018


Zum Auftakt des Wintersemesters luden die beiden Institute des Hofes 3 – das Institut für Osteuropäische Geschichte und das Institut für Slawistik – zu einer gemeinsamen Themenwoche im Rahmen des Jubiläums anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Campus der Universität Wien. Alle Residenten dieses Wissenschaftsstandortes waren eingeladen, sich mit Veranstaltungen an diesen Jubiläumsfeierlichkeiten zu beteiligen. Das Institut für Osteuropäische Geschichte und das Institut für Slawistik entschieden sich dafür, diese Aufgabe gemeinsam zu gestalten und veranstalteten von 1. bis 6. Oktober 2018 die Themenwoche „Faszination östliches Europa: viel/fältig – groß/artig – herr/lich“. Ziel war es, sowohl dem wissenschaftlichen Fachpublikum, als auch der interessierten breiten Öffentlichkeit zu zeigen, womit man sich an den beiden Instituten beschäftigt, woran hier gearbeitet wird und somit auch einen Einblick in den Alltag der Wissenschaft zu geben. Gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Semesterfrage „Was eint Europa“ haben es sich die beiden Institute zum Ziel gemacht, das östliche Europa fernab von vorherrschenden Vorurteilen sichtbar zu machen.

Zum Auftakt präsentierte das Organisationsteam – Marija Wakounig, Ferdinand Kühnel und Anita Biricz vom IOG und Katharina Tyran vom Institut für Slawistik – am Montagabend die Konzeption und das Programm der Themenwoche. Den Eröffnungsvortrag hielt der Diplomat und Historiker Emil Brix. Unter dem Titel „Zu-Viel-Geschichte?“ thematisierte er die Frage der räumlichen Begrifflichkeiten ebenso wie den Umgang und die Rolle der Geschichte und Geschichtsschreibung in den Ländern des östlichen Europa. Gerade auch als ehemaliger österreichischer Botschafter in Russland konnte er einige aufschlussreiche und spannende Anekdoten hierzu in seinen Vortrag einbauen. Nach dem Eröffnungsvortrag wurde im Seminarraum des IOG die neu gestaltete Ahnengalerie präsentiert, zusätzlich hatte das große Publikum die Gelegenheit, sich zwei Kurzfilme zu den beiden beteiligten Instituten anzusehen, die auch im Rahmen dieser Themenwoche produziert wurden (mehr Informationen folgen).

Von Dienstag bis Freitag hatte das interessierte Publikum am Institut für Osteuropäische Geschichte die Möglichkeit, diverse Kurzvorträge zu besuchen, bei denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre Forschung zu ehemaligen Imperien, neu entstandenen Nationalstaaten, verschiedenen Regionen und diversen historischen Ansätzen präsentierten.

Am Institut für Slawistik luden wir am Dienstag zu einer Poster-Ausstellung zur historischen Mehrsprachigkeit in Österreich. Auf der Pawlatsche, der institutseigenen Galerie, gaben Agnes Kim und Katharina Prochazka, die beide im Task-Cluster C des SFB „Deutsch in Österreich“ mit ihren Projekten den Kontakt mit slawischen Sprachen untersuchen, einen Einblick in ihre Forschung. Nach einem Impulsvortrag des Projektleiters Stefan Michael Newerkla hatten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, direkt mit den Wissenschaftlerinnen zu ihren Postern zu diskutieren. Thematisiert und visuell aufbereitet sind dabei zum Beispiel Themen wie die Vielsprachigkeit in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, der Begriff der Sprachgrenze anhand des zweisprachigen Kärntens, Bedingungen für Mehrsprachigkeit in Niederösterreich, Fragen nach Eigen- und Fremdbezeichnungen im Burgenland. Außerdem hatten die Anwesenden auch die Möglichkeit, ihr eigenes Wissen zu testen und in einem Beispieltext slawische Lehnwörter im Deutschen zu erkennen. Diese Poster-Ausstellung wurde von Agnes Kim und Katharina Prochazka in Zusammenarbeit mit Katharina Tyran konzipiert und soll auch weiterhin am Institut für Slawistik zu sehen sein. Ebenfalls auf der Pawlatsche war die ganze Woche über die von Gero Fischer gestaltete Ausstellung „Mein Campus“ zu sehen, mit Bildern aus dem Alltag an diesem Wissenschaftsstandort.

Der Mittwochabend stand im Zeichen des Doktoratskollegs „Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe“. Seit 2007 haben sich mittlerweile in vierter – und leider letzter – Generation junge Doktorandinnen und Doktoranden mit den Kulturen, Literaturen, Sprachen, Religionen und Gruppen des ehemaligen österreichischen Kronlandes Galizien beschäftigt. In einer Podiumsdiskussion erzählten der derzeitige Leiter Christoph Augustynowicz sowie die beiden ehemaligen Verantwortlichen Andreas Kappeler und Alois Woldan welche Idee und Mühen hinter der Gründung dieses die beiden Institute übergreifenden Doktoratskollegs stand und diskutierten darüber, wie es sich in den vier Generationen entwickelte. Alle drei betonten dabei, dass sich Wien durchaus in den letzten Jahren als Zentrum der Galizien-Forschung etabliert hat und das Kolleg einen maßgeblichen Beitrag dazu leistet. Einige der anwesenden Stipendiatinnen und Stipendiaten gaben Einblick in ihre Forschung und erläuterten, womit sie sich im Rahmen ihrer Doktorarbeiten beschäftigen, ehemalige Doktorandinnen und Doktoranden erzählten von ihren abgeschlossenen Projekten und Erfahrungen im Rahmen des Doktoratskollegs.

Womit sich junge Filmschaffende aus dem östlichen Europa beschäftigen und welche Themen hier behandelt werden, zeigten wir am Institut für Slawistik am Donnerstag. Im Rahmen eines Kurzfilmscreenings wurden vier aktuelle und auch schon bei diversen Festivals prämierte Filme gezeigt: Den Beginn machte der mazedonische Film „Éclair / Ekler“ aus dem Jahr 2016, es folgte die 2017 veröffentlichte kroatisch-slowenische Koproduktion „Into the Blue / Plavetnilo“ sowie der kroatisch-deutsch-palästinensische Kurzfilm „Walls“ aus dem Jahr 2016, zum Schluss wurde „Reve ta Stohne on Tour“ ausgestrahlt, eine ebenfalls 2016 veröffentlichte ukrainisch-polnische Produktion.

Auch die beide Institute verbindende Bibliothek zeigte im Rahmen der Themenwoche ihre Schätze. Am Donnerstag und Freitag präsentierte Elisa Nemetz ausgewählte seltene und alte Bestände, auch bekannt als Rara, danach führte die Bibliotheksleiterin Barbara Retschnig durch die Räumlichkeiten der Fachbereichsbibliothek Osteuropäische Geschichte und Slawistik.

Die gemeinsame Themenwoche endete am Samstag im Seminarraum 1 des Instituts für Slawistik mit einem literarisch-musikalischen Nachmittag und Abend: „Märchen, Mythen & Musik: Donau“. Dieser durch zehn mittel- und osteuropäische Länder fließende Wasserstrom war als Protagonist des Hauptabends gerade vor der thematischen Ausrichtung der Woche, aber auch vor dem Hintergrund der aktuellen Semesterfrage der Universität Wien „Was eint Europa“ die thematische Idealbesetzung. Der Nachmittag war als mehrsprachige Reise entlang dieses Flusses konzipiert und von Mercedes Echerer gemeinsam mit dem Blue Danube Orkestar gestaltet. Echerer las aus ihrem Donau-Märchenbuch ausgewählte Geschichten vor und präsentierte Teile auch in ungarischer Sprache. Da das Buch auch schon ins Slowakische (und Rumänische) übersetzt wurde, konnte das Publikum auch einer Geschichte in der Interpretation unserer Slowakisch-Lektorin Viera Wambach lauschen, außerdem übersetze Katharina Tyran ein Märchen ins Kroatische, das von Ivan Rončević, ebenfalls Lektor und Doktorand an unserem Institut vorgetragen wurde. Zwischen den einzelnen Geschichten spielte das Blue Danube Orkestar Musikalisches aus dem Donauraum, von bayrischem Landler über Csardas bis zu bulgarischem Čoček. Der Abend endete mit einer ganz besonderen Adaption des Wiener Donauwalzers, interpretiert von Mercedes Echerer.

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Letzte Änderung: 24.10.2018 - 18:48