Praktiken der Mehrsprachigkeit im Schwedischen Reich (1611–1721). Interdisziplinäre Perspektiven auf die Rolle des Deutschen. Herausgegeben von Michael Prinz, Nicolaus Raag und Dessislava Stoeva-Holm (= Fremdsprachen in Geschichte und Gegenwart, Band 22). Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2025. VI, 260 Seiten, 32 Abb., 7 Diagramme, 10 Tabellen. ISBN 978-3-447-12252-8, eISBN 978-3-447-39557-1.
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Das Schwedische Reich (ca. 1611–1721) war nach dem Zarentum Russland, dem Osmanischen Reich und Polen-Litauen die viertgrößte Territorialmacht in Europa. Es umfasste neben den beiden Reichsteilen Schweden und Finnland auch eine Reihe Provinzen rund um die Ostsee. Diese territoriale Größe spiegelte sich auch in einer erheblichen sprachlichen Vielfalt wider: Die Bewohner des Schwedischen Reiches kommunizierten nicht nur auf Schwedisch und Finnisch, sondern auch auf Samisch, Latein, Deutsch, Niederländisch, Englisch, Französisch, Estnisch, Lettisch, Livisch, Karelisch, Ischorisch, Wotisch, Russisch, Dänisch oder Norwegisch.
Die Beiträge des Sammelbands untersuchen in einem multiperspektivischen Zugriff (soziolinguistisch, historisch, literaturwissenschaftlich) die Rolle des Deutschen im Rahmen der gesellschaftlichen, korporativ-institutionellen und individuellen Mehrsprachigkeit im Schwedischen Reich. Beleuchtet werden dabei historische Domänen, Kontexte und multilinguale Praktiken, an denen das Deutsche im Schwedischen Reich beteiligt war. In den Blick kommen die frühneuzeitliche Adelskultur, der akademische Kontext, die kirchlich-religiöse Domäne, städtische Privilegien und der Handel. Das Themenspektrum reicht von der Sichtbarkeit des Deutschen in der Sprachlandschaft des Schwedischen Reichs über die Verwendung des Deutschen in bestimmten Textsorten bis hin zum Einfluss deutscher Personennamen auf das schwedische Namensystem. In Summe liefert der Band ein umfassendes Bild der vielschichtigen Gebrauchskontexte des Deutschen im hochgradig mehrsprachigen Schwedischen Reich der Frühen Neuzeit.
Michael Prinz, Nicolaus Raag und Dessislava Stoeva-Holm: EinleitungHelmut Glück: Das vielsprachige Schweden und die lettische und die russische Bibelübersetzung des Ernst Glück (1645–1705)
Angelika Linke: Lese-Mehrsprachigkeit in Schweden im 18. Jahrhundert. Eine Fallstudie am Beispiel dreier adliger Bibliotheken in der schwedischen Provinz Östergötland
Susanne Tienken: Anjetzo männiglichen zum seeligen Gebrauch mitgetheilet. Andachts- und Gebetbücher der schwedischen Großmachtzeit als Zugang zu historischer Mehrsprachigkeit
Sebastian Cöllen: Selbstdarstellungen: Praktiken der Mehrsprachigkeit in schwedischen Stammbüchern des 17. Jahrhunderts
Michelle Waldispühl: Verschlüsselte Briefe im Schwedischen Reich: Mehrsprachigkeit und Geheimschrift während des Dreißigjährigen Kriegs
Anna Katharina Richter: „So in dem Königlichen Schlosz zu Stockholm gedantzt worden“. Deutsche Ballettlibretti am Hof Königin Christinas als Dokumente für literarische Mehrsprachigkeit und self-fashioning um 1650
Dessislava Stoeva-Holm: Dichten auf Deutsch. Überlegungen zu einer Kulturtechnik im Schwedischen Reich des 17. Jahrhunderts
Inna Põltsam-Jürjo und Kristiina Ross: Deutsche in den ländlichen Kirchengemeinden Estlands zur schwedischen Zeit
Kristi Viiding: Die Funktionen der deutschen Sprache in den mehrsprachigen Inschriften der Kirchen in den Schwedischen Ostseeprovinzen Est- und Nordlivland
Michael Prinz und Julia Sjöberg: Fröhliche Auferstehung – zur Sichtbarkeit des Deutschen im Spiegel der Inschriften. Ein Beitrag zur Sprachlandschaft Schwedens in der Frühen Neuzeit
Kaidi Hõbejõgi: A Glimpse at Academic Language Use in the 17th Century: A Closer Look at Some Minute Entries of the Senate Meetings from the First Decade of the Early Modern Academia Dorpatensis (1632–1644)
Daniel Solling: Der Einfluss des Deutschen auf das schwedische Personennamensystem in der schwedischen Großmachtzeit
Mark Häberlein: Paul Jacob Marpergers Schwedischer Kauffmann. Zur Vermittlung landeskundlichen, kommerziellen und sprachlichen Wissens über Schweden im Heiligen Römischen Reich
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