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"Mein Theater für mein Volk!" Theater und Nationbuilding in Bosnien und Herzegowina 1992-1995

Vortrag von Senad Halilbašić

Senad Halilbašić (Theater- und Filmwissenschaftler und Drehbuchautor) zeigt anhand von Video-Mitschnitten aus unterschiedlichen Theaterstücken 1992-1995 das vielstimmige Bild des "Kriegstheaters" an pazifistischen, realitätsverweigernden wie auch nationalistisch-agitatorischen Positionen auf.

"Es war nichts Außergewöhnliches, während des Krieges Theater zu spielen. Es war ungewöhnlich eine Stadt zu bombardieren, Menschen zu töten. Das war ungewöhnlich! Theater zu machen ist nichts Ungewöhnliches."

Der Sarajevoer Theaterregisseur Haris Pašović impliziert mit seiner Beobachtung, dass die Frage nach dem Warum des Theaterschaffens während des Kriegs nur von einer Außenperspektive gestellt werden kann. Theater während des Bosnienkriegs fand statt, quantitativ sogar prominenter denn je. Neben dem Theaterschaffen des belagerten Sarajevos – oftmals als Protestkultur gegenüber den abnormen Zuständen und als Fort-führung einer Normalität im Sinne einer anderen Wirklichkeit beschrieben – wurde auch Theater in der ethnopolitisch zwischen Bosniaken und Kroaten zweigeteilten Stadt Mostar wie auch in dem weit von jeglicher Front entfernten serbischen Banja Luka fortgeführt.

Angesichts divergierender politischer und kriegsspezifischer Kontexte in Prozessen des post-jugoslawischen Nationbuildings stellt sich die Frage, welche Repertoirepolitik jeweils praktiziert wurde und welche Vorstellung von Nation(en) auf den Bühnen Bosnien und Herzegowinas während des Krieges verhandelt wurden.

Senad Halilbašić ist seit 2014 als uni:docs Fellow am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien tätig, wo er zum Theater während des Bosnienkriegs forscht. 2016 arbeitete er im Rahmen eines Marietta-Blau-Stipendiums des OeAD in Bosnien und Herzegowina vor Ort.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Prof. Mag. Dr. Miranda Jakiša (miranda.jakisa@univie.ac.at)

 

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Letzte Änderung: 12.06.2015 - 16:02